Studie zur Patientenaufklärung mit dem VSI

Studie zur Patientenaufklärung mit dem VSI

Hamburg, 17.08.2018 – Das Epilepsie-Zentrum Hamburg hat unter der Leitung von Oberarzt Dr. Patrick House eine Studie zur Aufklärung von Epilepsiepatienten vor epilepsiechirurgischen Eingriffen mittels VSI Patient Education gestartet.

Mindestens 20 Patienten sollen innerhalb von 6 Monaten in die prospektive, randomisierte und kontrollierte klinische Studie eingeschlossen werden. Hierbei soll untersucht werden, ob die Verwendung des VSI Patient Education bei der Aufklärung vor einem epilepsiechirurgischen Eingriff der Verwendung eines Kunststoff-Gehirnmodells überlegen ist.

Ablauf der Untersuchung:

Die Patienten werden randomisiert auf zwei Gruppen verteilt. In beiden Gruppen sollen die Hilfsmittel VSI und Kunststoff-Gehirnmodell nacheinander zur Anwendung kommen. Die Gruppen unterscheiden sich lediglich dadurch, in welcher Reihenfolge die Hilfsmittel angewendet werden. Anschließend sollen sowohl die Patienten und deren anwesende Angehörige als auch die aufklärenden Ärzte Fragebögen beantworten.

Folgende Hypothese wird untersucht:

Bei der OP-Aufklärung wird durch Verwendung des VSI folgendes im Vergleich zur Verwendung des Gehirnmodells erreicht:

  • die Patienten fühlen sich besser informiert
  • die Patienten fühlen sich sicherer, haben weniger Angst vor der OP
  • die Patienten fühlen sich in ihrer Entscheidungsfindung bzgl. der OP-Einwilligung gestärkt
  • die Patienten fühlen sich nach dem neusten Stand der Technik diagnostiziert und behandelt

Die Ergebnisse der Studie sollen Anfang 2019 folgen.

VSI Patient Education

Theoretischer Hintergrund*:

Epilepsie stellt mit einer Prävalenz von etwa 1% eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen dar. Ca. 2/3 aller neu diagnostizierten Epilepsien lassen sich erfolgreich medikamentös behandeln (Kwan und Brodie, 2000). Bei Patienten mit Epilepsie, die trotz medikamentöser Behandlung nicht anfallsfrei werden, sollte zügig auch die Möglichkeit einer epilepsiechirurgischen Therapieoption geklärt werden. Ist das Ergebnis einer prächirurgischen Abklärung die Indikation für einen epilepsiechirurgischen Eingriff, wird der Patient im Rahmen einer OP-Aufklärung hierüber informiert.

Bei der unbedingt von einem Arzt durchzuführenden Aufklärung sind die Wahrung des Selbst-bestimmungsrechtes, der Autonomie und der Entscheidungsfreiheit des Patienten zu berücksichtigen und sollten einen eindeutigen Vorrang vor der medizinischen Auffassung des Arztes haben (Parzeller et al., 2007).

Allerdings erscheint dies nur dann in einem sinnvollen Kontext, wenn der Patient sich rechtzeitig und umfänglich über alle Details der Operation inklusive Alternativen und Risiken informiert fühlt und die Operationsprozedur versteht. Hierzu wäre es förderlich, wenn er sich die Operation auch bildlich vorstellen kann. Um dem Patienten sein Gehirn, die darin zu operierende Läsion und den operativen Zugang möglichst verständlich zu demonstrieren, bedient sich der aufklärende Arzt Hilfsmitteln wie Bildgebungen (v.a. MRTs und CCTs) auf Folie oder dargestellt auf einem PC-Bildschirm oder auch Gehirnmodellen aus Kunststoff.

Es ist bislang wissenschaftlich nicht untersucht, mit welcher OP-Aufklärungsstrategie ein Patient ausreichend informiert ist, um eine Entscheidung für oder gegen eine OP zu fällen. Gar nicht untersucht ist, ob der Einsatz von Mixed, Augmented oder Virtual Reality zur 3-dimensionalen Illustration des Patientengehirns, der zu operierenden Läsion und des operativen Zugangs im Vergleich zu den oben genannten üblichen visualisierenden Hilfsmitteln geeignet ist, bei der OP-Aufklärung den Patienten laienverständlich und ausreichend über die Operation zu informieren.

*(Auszug aus dem offiziellen Exposé für die Ethikkommission von Dr. P. House)